Fachwissen

„Kompetenz heißt Fachwissen. Fachwissen haben die, die etwas verständlich machen können. Transparenz von der Planung über die Wahl der Methode bis zur Lösung ist daher der grundlegendste und gleichzeitig schwierigste Beweis für Kompetenz.“

Dieser Satz stand 1997 auf einer Website, für die ich mitverantwortlich war. Sie war mit Framesets gebaut, mit „Claris Home Page Version 2.0b1“ erstellt und lief auf einem Server in Erfurt. Damals gab es weltweit etwa eine Million Websites, heute sind es mehr als 1,4 Milliarden.

Mein Name ist Frank Csehan, ich mache seit mehr als 35 Jahren Software, und den Satz von damals würde ich heute wieder so schreiben, an keiner Stelle anders.

Als künstliche Intelligenz schon einmal als gescheitert galt

Die gleiche Website hatte einen Bereich, der damals üblich war: „Ausgewählte Links“. Zwischen Oracle-Dokumentationen und Hewlett-Packard-Downloads stand unter der Überschrift Data Warehouse und Data Mining dieser Eintrag:

„Der letzte Versuch, unter anderem über Data Mining dem Thema Künstliche Intelligenz Leben (im übertragenen Sinne) einzuhauchen. Das Cyc-Projekt.“

Das war 1997, und künstliche Intelligenz war ein Thema, dem man „Leben einhauchen“ musste, weil es praktisch für tot erklärt worden war. Der sogenannte KI-Winter lag noch nicht lange zurück, neuronale Netze galten als akademische Spielerei. Der Hype der 1980er Jahre war abgeklungen, die Finanzmittel waren versiegt, und was übrig blieb, war Data Mining: der Versuch, zumindest etwas Nützliches aus großen Datenmengen zu extrahieren.

Wir bauten Data Warehouses. Wenn die Maschine schon nicht intelligent wurde, ordneten wir wenigstens die Daten so, dass Menschen sie verstanden. Knapp dreißig Jahre später setze ich Sprachmodelle an Aufgaben, die damals niemand einem Programm zugetraut hätte, bis hin zu kompletten Compilern.

Erfurt, Anfang der 90er Jahre

Ein Teil meiner Geschichte beginnt in Erfurt, kurz nach der deutschen Wiedervereinigung. Die IBYKUS AG für Informationstechnologie entstand 1996 aus der Fusion der ICE Computer und Netze GmbH, gegründet 1990, mit der IBYKUS Informationssysteme GmbH, gegründet 1993. Ich war als Vorstandsmitglied dabei.

Gebaut haben wir Oracle-Datenbanken für die Thüringer Landesregierung. Prozessmanagementsysteme für den Landtag. Probenverfolgung für die Veterinärdiagnostik. Ein Informationssystem für DASA, den Vorgänger von Airbus Defence. Darunter lagen HP UNIX-Server, Novell-Netzwerke, 100VG AnyLAN. Für den Raum Erfurt waren wir außerdem Internetdienstanbieter, als das Internet noch erklärt werden musste.

Auf unserer Seite zur Softwareentwicklung stand ein Satz, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist:

„Heute ist Softwareentwicklung eine reine Ingenieursleistung. Sie ist Teil unseres Handwerks.“

Das Wort Handwerk taucht in meinem Berufsleben immer wieder auf, 1997 bei IBYKUS, 2011 im Firmennamen AJAGARA Softwarehandwerk und jetzt hier, ohne dass ich es je bewusst ausgesucht hätte.

35 Jahre Technikwechsel

In 35 Jahren habe ich Technologien entstehen und wieder verschwinden sehen: Client/Server wich den Webanwendungen, Oracle Designer/2000 wich Django, aus den Novell-Netzwerken wurde die Cloud, und bei jedem dieser Übergänge hieß es, nun werde die Arbeit endlich einfacher. Die 100-Mbit-Verbindung, die 1995 im Thüringer Innenministerium als Sensation galt, wäre heute für einen Drucker zu langsam.

Die grundlegenden Probleme sind dieselben geblieben. An Software habe ich dieselben Ansprüche wie 1996: Sie läuft zuverlässig und lässt sich warten, und wer sie baut, versteht die Menschen, die sie am Ende benutzen. Dass Kompetenz heißt, etwas verständlich machen zu können, gilt für einen Oracle-DBA im Jahr 1996 genauso wie für jemanden, der 2026 Agenten beauftragt. Geändert hat sich die Geschwindigkeit, und mit ihr die Illusion, sie könne Gründlichkeit ersetzen.

Warum dieser Blog

Mein Hauptjob ist eine Festanstellung. Dieser Blog gehört mir privat, er ist keine Unternehmenspräsenz und wirbt für nichts. AJAGARA Softwarehandwerk als Unternehmen ruht, der Name steht trotzdem noch für das, was ich von guter Software halte.

Hier schreibe ich über die Spannung zwischen den 90 Prozent, die KI schnell liefert, und den letzten zehn Prozent, für die es weiterhin Erfahrung und Handwerk braucht. Was Qualität bedeutet, wenn Quantität plötzlich billig ist, beschäftigt mich dabei am meisten. Dazu kommen Beobachtungen aus 35 Jahren Berufspraxis.

Ein Rückblick auf eine abgeschlossene Karriere ist das hier nicht. Ich stecke noch mitten drin.

Erklärung zur KI-Transparenz

Alle Blogbeiträge auf dieser Seite stammen von mir. Ich nutze LLMs zur Überarbeitung und zur stilistischen Verbesserung. Ich setze generative Tools ein, um Grammatik und Verständlichkeit zu verbessern, doch der Inhalt und die eigenen Gedanken stammen von mir.

Außerdem nutze ich LLMs regelmäßig, um Ideen zur Vereinfachung von Gedanken zu erhalten und als Sparringspartner beim Brainstorming für Blogbeiträge.

Kontakt

frank.csehan@ajagara.com

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